Kampfsportarten

In den Mitgliedsschulen des DJJR werden diverse Kampfkünste und Kampfsportarten unterrichtet. Wir stehen auf der einen Seite für eine realistische und praxistaugliche Selbstverteidigung. Andererseits prägen wir aber auch den Wettkampfsport. Durch das breite Angebot des Verbandes ist für jeden etwas dabei.

Kampfsportarten im Überblick:


Ansprechpartner

Kickboxen: Winfried Laube (info@winfried-laube.de)
Iai-do: Lothar Sieber (Lothar.sieber@t-online.de)
Zen-do-karate: Lothar Sieber (Lothar.sieber@t-online.de)
Jiu-Jitsu / Jiujitsu-Karate: Lothar Sieber (lothar.sieber@t-online.de)
Kyusho-Jitsu: Alexander Bork (alex.bork@web.de)
Sport Jiu-Jutsu: Thorsten Preiß (thorstenpreiss@gmx.de)
Wettkämpfe: Thorsten Preiß (thorstenpreiss@gmx.de)
Jiu-Jitsu: Thorsten Preiß (thorstenpreiss@gmx.de)
Karate / Okinawa-Karate: Harald Weitmann (info@karateschule-weitmann.eu)
Jiu-Jitsu Budokai: Oliver Roszak (spandau@randori-pro.de)


Das System Seitei-Iai-Do

Dieses System wurde 1968 von Großmeistern des „Zen Nippon Kendo Renmei Iai“ (All japanischer Kendo Verband) entwickelt. Es ist ein einheitliches Übungssystem zum Erlernen der Grundschule und der ursprünglich 10 Grundformen (Kata). Es enthält Techniken vieler historischer Schwertkampfstile.

IAI-DO, die Kunst des Schwertziehens bzw. die Kunst des Schwertes

„Iai-Do“ ist eine ca. 400 Jahre alte traditionelle japanische Sonderform des Schwertfechtens. In der Feudalzeit waren die Krieger oft plötzlichen und unerwarteten Angriffen ausgesetzt, und deshalb darauf angewiesen, ihr Schwert blitzschnell zu ziehen. Das Wort „Iai“ setzt sich zusammen aus den Schriftzeichen I(ru) = Sein, Dasein, Verweilen und Ai = Zusammentreffen, einer Situation entsprechen. Beides vereint bedeutet soviel wie „Ganz da sein, in der Gegenwart sein“. Es beschreibt den Zustand des Angegriffenen, der im Moment konzentriert und wach ist, ohne Angst und Schrecken im Angesicht des Todes. Der Sieg muss bereits vor dem Ziehen des Schwertes errungen sein. Die zweite Silbe „Do“ bedeutet, der Weg des Bushido.
Iai erfordert höchste Konzentration und Perfektion mit dem Schwert. Es besteht aus den fünf grundsätzlichen Handlungsstufen: Konzentrieren, Ziehen des Schwertes, Schnitt mit symbolischem Töten, symbolischem Blut abschlagen und Zurückführen des Schwertes in die Scheide. Dies sind auch die technischen Grundelemente des Iai-Do, die einzeln und in vorgegebenen Bewegungsabläufen (Kata) geübt werden. Sie sind Schwertkämpfe gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner. Anfänger lernen zuerst die Grundtechniken und die Übungsformen, die mit einem Holzschwert (Bokken) ausgeführt werden. Danach folgt das Training der Katas mit einem Metallschwert (Iaito). Außerdem werden auch Suburi (Schnittübungen) gelehrt, denn das Iai kann auch zum Testen von Schwertern verwendet werden.

Der Übende arbeitet alleine an der Vervollkommnung seiner Technik und der Genauigkeit der Details. Er strebt danach, hochkonzentriert und innerlich ruhig, teils dynamische, teils ruhige Bewegungen harmonisch und natürlich auszuführen. Iai-Do ist auch als eine Art bewegter Meditation zu verstehen und beruht auf der kompletten Beherrschung der Waffe, der perfekten Koordination der Bewegung und der Konzentration auf den Augenblick. Es ist auch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst, diese Formvollendung zu erreichen und dabei seine innere Ruhe und Stabilität zu finden. Mit dem Sieg über sein eigenes Ich, entwickelt der Iaidoka eine Harmonie bzw. Einheit mit sich selber, dem Schwert und der Umwelt. Er lernt sich den jeweiligen Situationen entsprechend zu verhalten.


Jiu-Jitsu / Jiujitsu-Karate (Yoshin-Ryu Jiu-Jitsu)

Der Name beinhaltet Jiu-Jitsu und Karate. Beides sind traditionelle Kampfkünste, die weit verbreitet sind, aber von einigen als nicht (mehr) geeignet für die Selbstverteidigung angesehen werden. Es gibt Budoka, die diese Meinung vertreten und ihr eigenes System als modern, sicher und realistisch darstellen. Das entspricht dem Zeitgeist von heute, in dem „zeitgemäße“ Kampfsportarten gefragt sind.

An dieser Stelle setzt das Revolutionäre des Jiujitsu-Karate ein. Namhafte Großmeister haben in jahrzehntelanger Arbeit und mit Hilfe ihrer nie stagnierenden Kampf- und Selbstverteidigungspraxis auf der Basis des alten Jiu-Jitsu-Stils (System Yoshin Ryu Jiu-Jitsu, bevorzugt Schläge und Tritte) und flexibler Karatesysteme in einer einzigartigen Weise Kampftechniken entwickelt, wie sie heute nirgendwo zu finden sind.

Dabei wurde der Weg zurück zu einem realistischen, erprobten japanischen Nahkampfsystem gefunden, mit dem man in der Lage ist, gegen sämtliche waffenlose Kampfkünste zu bestehen. Die Kampftechniken des Jiujitsu-Karate sind aufgrund ihrer Flexibilität und Geschmeidigkeit einerseits und ihrer Schnelligkeit bestens für die Selbstverteidigung geeignet. Die aus den flexiblen Karatestilrichtungen Zen-Do-Karate „Tai-Te-Tao“ und Tai-Karate stammenden Schlag-, Stoß- und Abwehrtechniken ergeben zusammen mit einer schnörkellosen Anwendung von Hebel- und Wurftechniken eine rasante Kombination, die ihresgleichen sucht. Genau das ist die reine, realistische Selbstverteidigung, wie sie vor der „Besänftigung“ des Jiu-Jitsu durch den Judo-Begründer Jigiro Kano praktiziert wurde.

Mit Jiujitsu-Karate existiert ein System, das mit ständig optimierten Verteidigungstechniken zeitgemäßen Angriffen absolut gerecht wird.


Judo

Judo ist eine moderne olympische Wettkampfsportart japanischen Ursprungs. Ziel im sportlichen Wettkampf ist die Störung des gegnerischen Gleichgewicht um eine Wurf- oder Bodentechnik ansetzen zu können. Oberstes Prinzip dieses dynamischen Sportes ist das „Siegen durch Nachgeben“, was als Ausnutzen des gegnerischen Kraftimpulses zu verstehen ist. Vor diesem Hintergrund ist auch die Übersetzung von Judo “ der sanfte Weg“ zu verstehen. Judo wurde von Jigoro Kano, dem Rektor der Pädagogischen Hochschule Tokios, Anfang des 20. Jahrhunderts aus unterschiedlichen Jiu Jitsu Stilen entwickelt. Er wollte eine Kampfsportart etablieren, welche die charakterliche Entwicklung des Sporttreibenden in den Vordergrund stellt. Kano nahm die meisten Schlag- und Stoßtechniken aus dem technischen Jiu Jitsu Programm, und formte so einen Wettkampfsport, den seine Studenten betreiben konnten, ohne eine erhöhten Verletzungsgefahr ausgesetzt zu sein.

Im Judowettkampf versuchen die Kontrahenten sich gegenseitig mit einer klaren und sauberen Technik auf die Matte zu werfen, um den Kampf so vorzeitig zu gewinnen (Wertung „Ippon“). Gelingt dies nicht, kann der Judoka auch versuchen die Entscheidung durch eine Bodentechnik herbeizuführen. Schafft es einer der Kämpfer, ,seinen Gegner mit einem Haltegriff so auf der Matte zu fixieren, dass er sich nicht befreien kann, gewinnt er ebenfalls den Kampf. Auch ein Hebel wie „Hara Gatame“ kann zum vorzeitigen Sieg führen, wenn der Kämpfer es schafft, seinen Gegner zum Abklopfen (signalisiert die Aufgabe) zu zwingen. Bei internationalen Meisterschaften trägt einer der Wettkämpfer einen blauen Anzug (Judo-Gi) zur besseren Unterscheidung. Der Kampf dauert fünf Minuten. Erst wenn der Schiedsrichter den Kampf mit dem Komando „Hajime“ freigibt, können die beiden Kämpfer anfangen. Die Griff- (Katame-waza) und Wurftechniken (Nage-waza) der Kämpfer entscheiden häufig über den Ausgang des Kampfes. Erreicht kein Kämpfer einen Ippon (voller Punkt) gewinnt der Kämpfer den Kampf der mehr Unterwertungenerzielt hat.


Aikido

Aikido ist eine rein defensive Kampfkunst aus Japan, die sich durch Hebel, Würfe und Waffentechniken auszeichnet. Oberstes Prinzip im Aikido ist es, die Kraft und die Bewegung des Gegners für die eigene Technik zu nutzen. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte der Budo-Meister Morihei Ueshiba aus verschiedenen Budokünsten heraus Aikido. Die neue Kampfkunst sollte die Harmonie des Ganzen und die Abhängigkeit des Einzelnen von dieser Harmonie widerspiegeln, also die Einheit (Ai) von Körper, Geist und Seele (Ki) repräsentieren. Der Weg dorthin wird im japanischen „Do“ genannt.


Okinawa-Te

Das Okinawa-Te lehnte sich aufgrund seiner Entwicklung von Beginn an technisch stark an die verschiedenen Stile des chinesischen Quanfa (Kempo) an, bevor es sich im 18. Jahrhundert in die beiden Hauptstile Shorin ryu und Shorei ryu teilte.

Typisch für das Okinawa-Te sind Schlag-, Stoß- und Tritttechniken, die um Würfe, Hebel, Festhaltegriffe und die Anwendung von Waffen ergänzt werden, wobei zu beachten ist, dass alle Fußtritte nur bis maximal zur Körpermitte ausgeführt wurden, denn das Okinawa-Te wurde zum Zwecke der Selbstverteidigung ausgeübt.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts (1921 oder 1922) machte der okinawanische Meister Gichin Funakoshi das Okinawa-Te auf breiter Basis in Japan bekannt, wo es schließlich in Karate-Do umbenannt wurde. Im Laufe seiner weiteren Entwicklung erhielt vor allem der Aspekt des „Do“ in philosophischer Hinsicht eine immer größere Bedeutung und zugleich verlor das Karate im Zuge seiner Modernisierung zu einer Wettkampfsportart zunehmend zentrale Bestandteile der ehemals auf Selbstverteidigung ausgerichteten Abläufe (z.B. Kranichbewegungen). Heute ist es weit von der realen SV entfernt.

Das Karate in Japan

Funakoshi ist zwar der prominenteste okinawanische Meister und Verbreiter des Karate in Japan, jedoch war er nicht der erste, der die Kampfkunst dort vorstellte. Tatsächlich war das Okinawa-Te bzw. das Karate-Do in Japan bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollkommen unbekannt, erfuhr dann aber durch Chitose Tsuyoshi – er gründete 1946 seinen eigenen Stil Chito ryu – schnell eine gewisse Aufmerksamkeit. Somit war auch der Weg für Motobu Choki bereitet, der während mehrerer Aufenthalte in Japan verschiedene Herausforderungen gegen Ausübende des Bujutsu und des Boxkampfes annahm. Da er zumeist spektakulär siegte, sorgten die japanischen Medien einerseits für seine zunehmende Bekanntheit und andererseits für eine Berühmtheit des Karate, bevor überhaupt die Möglichkeit bestand, in Japan darin unterrichtet zu werden.

Dies änderte sich erst mit dem Eintreffen Funakoshis, der das Karate nicht nur weiter verbreitete, sondern auch Schüler ausbildete. Sein Stil wird im japanischen auch Butokukai genannt und öffnete – wie oben bereits beschrieben – das Karate-Do der Versportlichung. Meister wie Motobu Choki sahen diese Veränderung des aus dem Okinawa-Te entstandenen Karate-Do von Beginn an mit Sorge, da sie den ursprünglichen Selbstverteidigungsaspekt und die traditionelle Wurzeln erhalten wollten. Letztendlich blieben aber Funakoshis Abwandlungen prägend für das Butokukai.

Kobudo (neuer Begriff Bujutsu)

Kobudo bezeichnet ein Kampfsystem, bei dem verschieden Waffen zum Einsatz kommen. Das Besondere der verwendeten Waffen ist die Tatsache, dass sie zu Beginn aus landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten hervorgingen, die auch in ihrer heutigen Form noch eindeutig zu identifizieren sind. Auf Okinawa war dieser Umstand notwendig, da u.a. aufgrund immer wiederkehrender Besatzungen durch Japan und China mehrere strikte Waffenverbote existierten, das erste davon ca. Anfang des 17. Jahrhunderts. Die einzigen Geräte, die noch verwendet werden durften, waren diejenigen, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kamen. Sie waren nicht nur erlaubt, sondern sahen auch für die jeweiligen Machthaber zunächst unverdächtig aus, was ein großer Vorteil war.

Diesen nutzten in gleicher Weise auch die japanischen Bauern, Kaufleute, Handwerker, Bettelmönche und viele am Rande der Gesellschaft stehende Gesetzlose in den von 1599 bis 1867 immer wieder aufflammenden, äußerst gewalttätigen Bauernaufständen, um sich gegen Ihre Feudalherren, die Samurai, zur Wehr zu setzen. Letztere legten ihr Augenmerk eher auf edle Waffen wie das Katana, das Yari oder auch die Naginata. Im Zuge dessen wurden ebenfalls einige Systeme des Kobudo geschaffen, die ihre Waffentechniken in Katas umwandelten, um diese besser einüben und weitergeben zu können.

Die Hauptvertreter der „klassischen“ okinawanischen Waffen sind der Bo-Stock, die Sai-Gabel, das Tonfa (Kurbel für Mühlsteine), das Kama (Sichel) und das Nunchaku (zwei Kurzstäbe mit einer Schnur oder Kette verbunden), wobei es durchaus weitere, allerdings weniger bekannte Waffen gibt:

  • Spazierstock
  • Hoko – Streitaxt
  • Kama Kusari – Kette mit Gewicht
  • Kuwa – Hacken
  • Nuta – Beil
  • Puku – Jagdspeer / kurzes Messer
  • Chinte – Kurzstab mit Lederschlinge
  • Yonsetsukon – Vierteiliges Nunchaku

Typisch japanische Kobudo-Waffen sind:

  • Bo – Langer Stock (1,80 m)
  • Hanbo – Kurzer Stock (90 cm)
  • Sai – Gabel
  • Kama – Sichel
  • Shuriken – Wurfsterne ( -geschosse)
  • Shaken – Wurfsterne

Kyusho Jitsu

Unter dem Begriff des Kyusho Jitsu versteht man den Angriff auf Nerven, Vitalpunkte (jap. Tsubos), Blutgefäße und Organe des Gegners unter Anwendung der Kenntnisse der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Die hergerufenen körperlichen Dysfunktionen können aber auch durch die westliche Neurologie erklärt werden. Neben den zerstörerischen Anwendungen (z. B. Bewusstlosigkeit durch Angriffe auf Nerven oder Blutgefäße am Hals des Gegners) wird im Kyusho Jitsu aber auch der heilende Aspekt unterrichtet (z. B. Maßnahmen bei Kopfschmerzen, bei Bewusstlosigkeit nach Würgeangriffen).

Man sollte sich bewusst sein, dass auf Okinawa nicht jeder Schüler das Wissen über das Kyusho Jitsu vermittelt bekommen hat. Dieses wurde vielmehr ausschließlich innerhalb der Familie bzw. einer strengen Linie weitergegeben; oftmals erst nach langjährigem Training, wenn der Schüler den Grad eines „Uchi deshi“, einem sog. Hausschüler oder „inneren Schüler“, erhalten hat. Das entsprach dem vierten Dan und der Schüler lebte im Haus des Meisters und genoss daher dessen vollstes Vertrauen.

Da viele Menschen nicht lesen und schreiben konnten und auch verhindert werden sollte, dass das Wissen in „falsche Hände“ gelangt, wurden zahlreiche Techniken in Formen (z. B. japanisch Katas) verschlüsselt. So war es auch möglich, dass man Verteidigungstechniken ohne Partner trainieren konnte. Durch die Entwicklung des Karate in Japan von einer Kriegskunst zu einer Sportart ging das Wissen der alten Meister zunehmend verloren bzw. wurde auch bewusst unterdrückt. Die Karatemeister entfernten teilweise „gefährliche“ Techniken und führten eine Art Entwaffnung durch (z. B. Abänderung der 3⁄4-Faust-Stellung). Aber auch die Veränderung der ursprünglichen Ryukyu Kempo Faust kann man gut im Vergleich der Schriften von Funakoshi vor und nach 1922 erkennen.

Die ursprüngliche Bedeutung des japanischen Schriftzeichens für Karate war „Kunst aus China“. Erst Anfang des letzten Jahrhunderts trafen sich die führenden Karatemeister und beschlossen, dass es nicht angehen könne, dass der „Klassenfeind“ Namensgeber für die „traditionelle“ Kampfkunst des eigenen Landes ist. Sie beschlossen eine Umdeutung des Schriftzeichens von „Kunst aus China“ in „Leere Hand“. Es ist daher nicht widersprüchlich, dass im Karate, welches in der heutigen Zeit eigentlich als japanische Kampfkunst angesehen wird, das Wissen der traditionellen chinesischen Medizin ein wesentlicher Bestandteil ist.

Seit Beginn des letzten Jahrhunderts stand die körperliche Ertüchtigung an Schulen, Universitäten und Militär im Vordergrund. Die Übungsformen und Abläufe (Kihon) mussten so umgestaltet werden, dass auch größere Gruppe von 50 oder mehr Schüler einheitlich trainieren konnten. Kraft und Schnelligkeit waren wichtiger, um in Wettkämpfen gute „Haltungsnoten“ und Punkte zu erzielen. Früher wurden Tritte z. B. ausschließlich in die Beine ausgeführt und nicht wie heute zum Kopf. Dies führte letztlich dazu, dass Karate zunehmend als nicht realistisch und untauglich für den Straßenkampf angesehen wird. Das „ursprüngliche“ Karate ist jedoch höchst effektiv gewesen.

Das Wissen über die Vitalpunkte wurde auch von anderen Systemen übernommen. In seinem Buch „Neue Kniffe und Griffe im Jiu-Jitsu / Judo Waffenlose Selbstverteidigung“ (erschienen im Falken-Verlag Erich Sicher KG, Wiesbaden) schreibt Erich Rahn auch über die japanische Erste Hilfe, Kuatsu genannt. Auf Seite 52f. heißt es wörtlich: „Wie der Japaner, sofern er in die Geheimnisse des Jiu-Jitsu und Judo völlig eingeweiht ist, genau weiß, wo und an welchen Körperstellen er seinen Gegner ernstlich oder gar tödlich zu verletzen vermag, so sind ihm auch diejenigen Partien des Körpers wohl vertraut, gegen die er helfende Eingriffe zu richten hat.“ Erich Rahn war Schüler von Katsukuma Higashi. Letzterer veröffentlichte 1905 zusammen mit H. Irving Hancock das Buch „The Complete Kano Jiu-Jitsu (Judo)“. Im Kapitel 4 beschreibt er das Wissen über das Kyusho Jitsu und im Kapitel 5 das über das Kuatsu. Auch Erich Rahn verfügte über vertiefte Kenntnisse über das Kyusho Jitsu und Kuatsu.


Sport Jiujutsu

Aus der traditionellen Selbstverteidigungssportart Jiu Jitsu wurde ein Wettkampfsystem geschaffen, was einerseits insbesondere für Kinder nicht verletzungsträchtig ist und andererseits eine geeignete Vorbereitung für Selbstverteidigungssituationen darstellt. Sport Jiujutsu ist eine moderne Zweikampfsportart für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, in der man mit Schlägen, Tritten und Würfen im Stand sowie Hebel-, Würge- und Haltegriffe am Boden, den sportlichen Wettkampf für sich entscheiden kann. Die Kinder und Jugendlichen kämpfen mit speziellen Kopfschützern mit Visier, bei den Erwachsenen wird nur mit Hand- und Fußschutz gekämpft.

Das Reglement ähnelt dem MMA, gekämpft wird im Gi (Judoanzug) auf einer Mattenfläche oder im Boxring.Viele Kämpfe enden im Bodenkampf, typische Erfolgstechniken sind dort z.B. Juji Gatame (Armbar), Gyako Ude Garami (Kimura) und Hadaka Jime (Rear Naked Choke). Ebenso entscheidet häufig eine gute Übersicht im Standkampf die sportliche Auseinandersetzung. Typische Standtechniken sind die gesamten Boxtechniken (Führhand, Cross, Haken etc.) sowie die Beintechniken der asiatischen Kampfsportarten sowie die Würfe aus dem Judo, Sambo und Ringen.


Kickboxen

Einführung in die Entstehungsgeschichte des Kickboxens

Kickboxen als Wettkampfdisziplin ist auf das Jahr 1974 zurückzuführen. In diesem Jahr einigten sich die Gründer des Weltverbandes WAKO, Mike Anderson, Georg F. Brückner und andere, auf ein neues, stilübergreifendes Kampfsystem mit Schutzausrüstung. Durch ein einheitliches Regelwerk wurde es möglich, dass die unterschiedlichen Kampfsysteme wie z.B. Taekwondo, Karate, Kung Fu, usw. sich im sportlichen Wettkampf miteinander messen können.

Der Gründer der Sportart Kickboxen, Georg F. Brückner, (gestorben am 30. Dezember 1992) wird auch der „Vater des Kickboxsports“ genannt, und ihm ist es zu verdanken, dass der Sport in der heutigen Form betrieben werden kann. Er organisierte die ersten Veranstaltungen und bald fanden sich viele Anhänger dieser neuen Sportart. Brückner reiste durch ganz Europa und gab Lehrgänge und Seminare, um das Kickboxen nach oben zu bringen.

Er war es auch, der viel Kraft, Zeit und Geld in die Entwicklung einer Schutzausrüstung (Hand-Fuß-und-Kopfschutz) steckte, die heute bei vielen Weltmeisterschaften zum Einsatz kommt. So entstand ein neuer Wettkampfsport, der zunächst den Namen „Sportkarate“ bzw. „All-Style-Karate“ trug. Später wurde er in Kickboxen unbenannt.

Als eine Art Sensation galt es damals, als es Georg.F.Brückner gelang mit seinem ersten Weltmeister im Kickboxen, Peter Harbrecht im legendären ZDF „Sportstudio“ aufzutreten, um die Sportart Kickboxen einem Millionenpublikum vorzustellen.

Das war 1978 in Berlin. Denn in der Deutschlandhalle fand zuvor vor einer großen Kulisse von 8000 begeisterten Zuschauern die 1.Weltmeisterschaft im Kickboxen statt. Verantwortlich für diese erfolgreiche Veranstaltung waren Georg F. Brückner und der damalige Weltpräsident Mike Andersen. Peter Harbrecht besiegte in einem grandiosen Kampf den Amerikaner Harold Roth.

Die Graduierung der Sportler unterteilt sich in 5 Schülergrade und zwar in gelb, orange, grün, blau und Braungurte. Inzwischen gibt es dem Judo angepasst für die Kinder auch Zwischengurte. Danach folgen die DAN bzw.Meistergrade. Es gibt Graduierungen bis zum 10. Meistergrad. Im Prüfungsprogramm enthalten sind neben sämtlichen Elementen des Kickboxens auch die Selbstverteidigung und Fallschule.

Es gibt mehrere Kickbox-Verbände, zu den Größten zählen die WAKO und die WKU.

Definition Kickboxen

Kickboxen ist eine noch junge Kampfsportart, bei der das Treten mit den Füßen wie bei den Kampfsportarten (Karate oder Taekwondo) mit den Schlagtechniken vom konventionellen Boxen verbunden wird.

Beim Kickboxen steht die Gesundheit der Sportler im Vordergrund, deshalb tragen die Kämpfer auch eine komplette dem Sport angepasste Schutzkleidung. Diese besteht aus Hand-Fuß-Kopf-Schienbein-Unterleibs-und Zahnschutz. Die klassischen Wettkampfsysteme bestehen aus dem Semikontakt (Pointfighting), Leichtkontakt und dem Vollkontakt. Die Kämpfer werden vorab wie auch bei anderen Kampfsportarten in verschiedene Gewichtsklassen unterteilt.

Beim Kickboxen sind Schläge und Tritte unter die Gürtellinie sowie auf den Rücken verboten. Die Sportart Kickboxen hat im klassischen Sinne nichts mit dem thailändischen Muay-Thai zu tun, wo ja auch Ellenbogen-und Kniestöße erlaubt sind.


Zen-Do-Karate „Tai-Te-Tao“

Begründer war der Deutsche Peter Jahnke, 6. Dan Karate-Do sowie Jiu-Jitsu, Judo und Kung Fu-Meister, der am 23.08.1995 verstarb. Die Idee, die ihn dazu bewegte, ein neues System zu schaffen, entstand in den 70er Jahren. Zu dieser Zeit wurden Kampfsportarten praktiziert, die nur noch reine Kampfmaschinen hervor brachten. Der geistige und philosophische Aspekt trat völlig in den Hintergrund. Herr Jahnke vertrat die Ansicht, Karate ist mehr als nur Selbstverteidigung und Kampf.

Zen-Do-Karate „Tai-Te-Tao“ ist die Verschmelzung aus den Elementen von „Shotokan-Karate“, „Wado-Ryu-Karate“, „Tai-Karate“, „Wu-Shu-Kung-Fu“ und „Taekwon-Do“. Es ist in Japan durch den ehemaligen Polizeipräsidenten von Tokyo, Kenzo Umeda 7. Dan, sowie von den Wissenschaftlern Takashi Yoneyama, Ordinarius der Rechte an der Universität Wakayama und Dr. phil. Toshio Iritani, Ordinarius an der Tokai Universität anerkannt.

Die Entstehung, sowie die philosophische Interpretation der geistigen Grundlagen, wurden in Japan in Wort und Schrift veröffentlicht: Zen – Weg der leeren Hand, Zen – Kunst im Sinne des Do, Weg der Hand des Friedens, Ehrfurcht vor dem Leben und Achtung gegenüber der Würde des Menschen.

Das Zen-Do-Karate „Tai-Te-Tao“ distanziert sich von anderen Systemen, da es sich nicht um Sieg oder Niederlage bemüht, sondern der Schulung des Geistes und des Körpers dient, um Mushin (1) zu erreichen.

Bevorzugte Techniken sind: Schlag-, Stoß-, Stich-, Tritt- und Rammtechniken. Sie werden katapultartig mit Schnellkraft (Umwandlung der kinetischen Energie in Deformationsenergie) in Richtung Atemipunkte des Gegners geschossen. Alle Schlag- und Stoßtechniken sind flexibel und schnell, die Abwehrtechniken werden grundsätzlich nach dem Naturprinzip „Kraft mit Kraft“ und nicht „Kraft gegen Kraft“ ausgeführt. Schläge werden nicht blockiert, sondern abgeleitet, wobei Ausweichbewegungen bevorzugt werden. Der Kampf erfolgt geschmeidig und katzenartig.

Lothar Sieber wurde vom Begründer Peter Jahnke testamentarisch als Nachfolger eingesetzt, um Zen-Do-Karate Tai-Te-Tao zu verbreiten und weiter zu entwickeln.

Zen-Do-Karate ist wie folgt aufgebaut:

  • Geistige Einstellung
  • Bewegung
  • Harmonie
  • Kata
  • Technik
  • Kampf
  • Bruchtest
  • Selbstverteidigung

Zur Übersetzung von Zen-Do-Karate Tai-Te-Tao:

  • Chinesisch: Die allumfassende Macht des großen Weges
  • Chinesisch-Japanisch: Der Weg der Hand des Friedens

Legende:
(1) Mushin: Das absolute Nichts, die Leere, Voraussetzung zum Erlangen des Satori (2).
(2) Satori: Erleuchtung, Erlangen der ursprünglichen Reinheit, das Absolute.