DJJR Bundeslehrgang 2009 in Miesbach

Auch in diesem Jahr konnte der DJJR-LV-Süd erneut zu einem Bundeslehrgang laden, der am 20. Juni in Miesbach (Oberbayern) stattfand. Seinen Schwerpunkt bildete vor allem der Bereich des Jiu-Jitsu, ergänzt mit Modern Arnis, wobei ein Hauptakzent auf angewandter Selbstverteidigung lag. Gemäß dieser Vorgabe gestalteten Hannelore Sieber (8. Dan Jiujitsu-Karate), Lutz Heyden (6. Dan Jiu-Jitsu), Gerhard Jung (6. Dan Jiujitsu-Karate), Jorgen Gydesen (6. Dan Modern-Arnis) und Bodo Blumentritt (5. Dan Jiujitsu-Karate) in der Zeit von 13.00 bis 18.30 Uhr vier Trainingseinheiten für zwei Teilnehmergruppen (erste Gruppe: 9. Kyu bis 3.Kyu; zweite Gruppe: ab 2. Kyu).

Jorgen Gydesen begann seinen Trainingsabschnitt mit einer zeitbedingt kurzen Einführung in Grundlagen des ursprünglich von den Philippinen stammenden Arnis, das er in der an heutige Anforderungen angepassten Form des Modern Arnis vorstellte. Dabei ging er von Stellungs- und Angriffsoptionen aus, die er jedoch gemäß der Schwerpunktsetzung des Lehrganges alsbald um verschiedene Situationen der Selbstverteidigung erweiterte. Zentral für alle Fallbeispiele war das Blocken und Kontrollieren der gegnerischen Waffe (Eskrima oder – mit entsprechend veränderten Abwehransätzen – Messer), möglichst gepaart mit einer Entwaffnung. Letztere kann, sofern der erste Block keine Entwaffnung leistet, mit einem Gelenkhebel (beispielsweise im Bereich des Ellbogens) erreicht werden oder innerhalb einer entsprechenden Kontertechnik erfolgen, die jede Art des Blockens und Kontrollierens sofort ergänzen muss. Wie allgemein im Kampfsport gibt es auch hier variable Möglichkeiten mit Tritten, Kniestößen, Fausttechniken und Würfen zu arbeiten, wobei der schnelle Übergang von einer Technik in die nächste vor allem dann essentiell ist, wenn sich der zuerst angewendete Konter als wirkungslos erweist.

Dieses Prinzip der fortgeführten, flüssigen Reaktion ist zugleich für alle referierten Jiu-Jitsu- Selbstverteidigungsaspekte wesentlich. Hannelore Sieber konzentrierte sich zunächst auf die richtige Art, sich aus der Rückenlage seitlich aufzurichten, denn bereits diese Aktion kann durch Fehler – auf dem Spann abgelegte Füße anstatt der korrekten Fußballenstellung und instabile Haltung des Oberkörpers – scheitern und dadurch dem Gegner Vorteile verschaffen. Spätestens sobald der Angreifer über den eigenen, am Boden liegenden Körper abgerollt werden sollte, wurde offensichtlich, wie wichtig dieser korrekte Aufrichtungsvorgang als Voraussetzung für alle weiteren Handlungen ist. Darüberhinaus lag das Augenmerk von Hannelore Sieber auf möglichst direkten, knappen Aktionen, die eine sofortige Wirkung beim Angreifer hervorrufen. So demonstrierte sie die Abwehr eines Faustangriffes von der Seite mit einer einzigen Armbewegung ebenso wie das schnelle „Hineingehen“ in den Gegner, das ihn gleichzeitig körperlich blockiert und einen Konter auf besonders schmerzempfindliche Körperstellen ermöglicht. Ähnlichen Prämissen unterlagen auch die Gegenmaßnahmen nach dem Wegschlagen oder Ablenken eines Messerstiches.

Im Folgenden machte Gerhard Jung ebenfalls das Messer zum Gegenstand seiner Ausführungen, ergänzt um unterschiedliche Würgeangriffe. Er betonte nochmals entschieden die Gefährlichkeit einer kurzen Klingenwaffe, die nicht zuletzt in der geringen verbleibenden Zeit besteht, auf eine Attacke zu reagieren. Gerade dieser letzte Faktor erzwingt mit der potenziell tödlichen und schwer zu kontrollierenden Wirkung der Waffe eine entschlossene Abwehrhandlung gepaart mit einer sehr effektiven Folgetechnik. Vor allem das Einbeziehen des Gesichtes in die Konterarbeit hat für Gerhard Jung einen immensen Stellenwert, da man auf diese Weise auch Kopfstöße bei einem frontal angreifenden Aggressor abschwächen oder ganz verhindern sowie gewaltsamem Drücken bzw. Anrennen entgegenwirken kann. Wird man mit einer oder beiden Händen gewürgt, spielt der Kopfbereich neben der Fixierung der würgenden Hand durch die eigene und angespannter Halsmuskulatur wiederum eine große Rolle als Ziel für Fausttechniken und Ellbogenstöße, die mit Kniestößen ergänzbar sind.

Mit Schwitzkastenangriffen und der Anwendung eines Kreuzblocks rundete schließlich Bodo Blumentritt das Programm ab. Er bot im Falle eines seitlichen Schwitzkastens mehrere Wurfvarianten an. Sie sind dadurch charakterisiert, dass man dem gegnerischen Druck zunächst nachgibt, ihn aber gleichzeitig gegen den Angreifer wendet, indem man diesen aus dem Gleichgewicht bringt, über den eigenen Körper abrollt, damit in die Defensive zwingt und in Konter übergeht. Auch bei einer frontalen Umklammerung des Körpers durch den Gegner lässt sich dieses Prinzip zum eigenen Vorteil nutzen. Der erwähnte Kreuzblock wiederum erlaubt es, sowohl im oberen als auch im unteren Körperbereich einen Angriff abzuwehren. Dies ist besonders deshalb wichtig, weil man selten eindeutig abzuschätzen vermag, in welcher Höhe die Attacke angesetzt wird oder ob einer angetäuschten Technik eine zweite mit veränderter Trefferhöhe folgt. Nach dem Kreuzblock ergeben sich erneut unterschiedlichste Möglichkeiten, selbst tätig zu werden: ein Nackenschlag (Klebende Hand) mit Kniestoß, Hebel, Tritte und Brechen des gegnerischen Gleichgewichtes, um den Angreifer zu Boden zu bringen.

Diese letzte Trainingseinheit schloss den Kreis des durchdachten Programms und beendete den gelungenen Lehrgang, nachdem alle Referenten und Teilnehmer die gegenseitige Verabschiedung vorgenommen hatten. Ein großes Dankeschön gilt allen, die geplant, referiert, betreut und mit Kaffee und Kuchen das leibliche Wohl unterstützt haben!
Text: Schule Weitmann


Jorgen Gydesen, Bodo Blumentritt, Lutz Heyden, Hannelore Sieber, Gerhard Jung


Die Teilnehmer